Case Study

«Im Stückler» Der Ruhepol mitten im Wandel-Quartier

Architect
Adrian Streich Architekten AG, Zurich
Project manager
Baugenossenschaft Halde Zürich

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der genossenschaftliche Wohnbau in Zürich einen Boom. Viele dieser Bauten müssen nun aus Altersgründen saniert oder ersetzt werden. So auch die Siedlung «Im Stückler» in Zürich-Altstetten, die neu gebaut wird. Sie wird verdichtet und erhält einen städtischen Charakter. Auffällig ist die rote Backsteinfassade, die Teil eines Zweischalenmauerwerks mit ISOVER-Dämmung bildet.

Das Zürcher Quartier Altstetten boomt. An allen Ecken und Enden wird saniert, neugebaut, verdichtet. Wo bisher oft noch ein fast ländlicher Charakter vorherrschte, findet in den letzten Jahren ein Wandel hin zu urbaneren Strukturen statt. Zeugin davon ist die geplante Limmattalbahn. Die neue Stadtbahn zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen im Kanton Aargau wird den Bahnhof Altstetten als wichtige Verkehrsdrehscheibe aufwerten und das Quartier weiter beleben.
Ein weiterer aktueller Schauplatz des Wandels in Altstetten ist die Dachslernstrasse. Die Baugenossenschaft Halde ersetzt hier ihre über sechzigjährige Siedlung «Im Stückler». Die bestehende Siedlung wurde zwischen 1948 und 1954 in der Tradition der Gartenstadt errichtet. Diese vom Zürcher Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner geprägte Siedlungsstruktur kombiniert die Vorteile von städtischem und ländlichem Leben. Obwohl stadtnah gelegen, sind die quer zur Strasse ausgerichteten Gebäude rundherum von grosszügigen Grünflächen umgeben. 

Verdichtung wird nur akzeptiert, wenn sie qualitätsvoll erfolgt
Angesichts der Wohnungsknappheit in der Stadt Zürich und der steigenden Bevölkerungszahl sind diese Grünflächen heiss diskutiert. Denn sie würden viel Platz bieten zur Erhöhung der Ausnützung, das heisst zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum. Eine radikale Verdichtung der Siedlung wäre von den Bewohnern aber kaum goutiert worden, das war den Architekten der Adrian Streich Architekten AG von Beginn weg klar. «Verdichtung muss sein, aber den Bewohnern muss dafür etwas geboten werden», sagt der zuständige Architekt Tobias Lindenmann. Im Fall der Siedlung «Im Stückler» ist dies die sehr sorgfältige Planung des Grün- und Freiraums, wofür die Schmid Landschaftsarchitekten GmbH hinzugezogen wurde. Die drei langgezogenen, verwinkelten Neubauten werden so ausgerichtet, dass sich parkartige, öffentliche Innenhöfe bilden. Rund um die Gebäude zieht sich eine autofreie Strasse, die als Begegnungsraum dient und die Siedlung gegen die Stadt hin öffnet. Damit gelingt es den Architekten, mehr Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Grün- und Freiraum in hoher Qualität zu erhalten: Wo vorher 16 Mehrfamilienhäuser mit 177 Wohnungen standen, entstehen neu drei Blöcke mit 274 Wohnungen.

Zusammen- statt Nebeneinander-her-Leben
Der neue städtische Charakter wird auch durch die geplante Erdgeschossnutzung gefördert. Vorgesehen sind ein Kinderhort, eine Spitexstelle, Gemeinschafts- und Bastelräume sowie Ateliers, die alle auch als Begegnungszone dienen. Damit und mit grösseren Wohnungen sollen unter anderem Familien angezogen werden, die neues Leben in die Siedlung bringen. Die Architekten haben sich dabei einiges überlegt, um ein Zusammen- statt ein Nebeneinander-her-Leben zu fördern. So sei es etwa gewollt, dass man von der Tiefgarage nicht direkt ins Treppenhaus gelangt, sondern dazwischen über den Hof gehen muss, erklärt Tobias Lindenmann.

Eine doppelte Mauer für die Siedlung
Neuen ästhetischen Schwung bringt die Aussenfassade. Gegen die Strasse hin werden die Mauern aus rotem Klinker gebaut. Backsteine haben in Altstetten Tradition. So sind etwa auch der städtische Schlachthof oder die SBB-Werkgebäude mit den Steinen aus gebranntem Ton gebaut
Die Klinker sind Teil des Zweischalenmauerwerks, der Mauerkonstruktion, die für die Siedlung gewählt wurde. Dabei wird die Aussenmauer des Gebäudes dreischichtig aufgebaut: Eine äussere Schicht von Klinkern bietet Schutz gegen Wind und Wetter, eine Dämmung vom Typ ISOVER PB F 032 in der Mitte reguliert die Temperatur und die innere Backstein-Schicht trägt das Gebäude – als ganzes sorgt dieser Wandaufbau für ein behagliches Wohnklima.
Weil im Zweischalenmauerwerk die gesamte Innenwand tragend ist und dadurch nur kleine Spannweiten zu überbrücken sind, kann die Deckenstärke auf ein Minimum reduziert werden. Der Architekt Tobias Lindenmann schätzt, dass dadurch ca. 900m3 Betonmasse oder über 120 Lastwagenladungen eingespart werden. Damit kann der Anteil der grauen Energie – also der Energie, die für Herstellung, Transport, Lagerung und Entsorgung des Baumaterials benötigt wird – trotz doppelter Mauer wieder deutlich gesenkt werden.

Beständigkeit als Ziel
Das Zweischalenmauerwerk zeichnet sich durch eine sehr hohe Lebensdauer von achtzig bis hundert Jahren und damit durch eine hohe Nachhaltigkeit aus. Zum Vergleich: Fassaden mit verputzter Aussenwärmedämmung müssen im Schnitt nach zwanzig Jahren saniert werden. Deshalb ist es besonders wichtig, dass auch die Dämmung im «Stückler» sehr dauerhaft ist. Die im Westschweizer Werk in Lucens hergestellte ISOVER-Glaswolldämmung PB F 032, welche für das Bauprojekt gewählt wurde, erfüllt diese Anforderung problemlos. Dank der herausragenden Dämmwirkung ermöglicht sie zudem die Erreichung des strengen Minergie P-Standards. Wie auch der Klinker ist die Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER AG aus mineralischem Material hergestellt und benötigt darum keine chemischen Zusatzstoffe. Sie bietet Wärme-, Schall- und Brandschutz von Natur aus. Beide Baumaterialien stammen aus Schweizer Produktion, was die Nachhaltigkeit des Projektes nochmals steigert.
So sehr Altstetten momentan im Wandel ist; mit der neuen Siedlung «Im Stückler» setzen die Architekten auf Beständigkeit und Nachhaltigkeit. Das Quartier erhält damit einen attraktiven, modernen Ruhepol, der bis ins nächste Jahrhundert überdauern wird – komme was wolle.