Case Study

Liechtblick – für Mensch und Umwelt

Architect
Busenhart & Partner AG | Manufaktur für Architektur, Schaffhouse, www.bp-arch.ch
Project manager
Association/Atelier Liechtblick, Schaffhouse, www.liechtblick.ch

In der Werkstätte Liechtblick wird Nachhaltigkeit in allen Facetten gelebt: sozial, wirtschaftlich und ökologisch. Was vor 25 Jahren als Wohnzimmerprojekt gestartet ist, hat sich zu einem innovativen Produktionsbetrieb mit 25 Mitarbeitenden gemausert. Zum Jubiläum hat der Verein den Firmensitz vorbildlich saniert und mit ISOVER-Fassadendämmplatten zu einem energieeffizienten Gebäude gemacht – ein Referenzobjekt durch und durch.

Bereits vor 25 Jahren wurden im Rahmen des Vereins Liechtblick erste Aluminiumteile gebogen, es wurde gesägt und gestanzt – im Wohnzimmer von René Bregenzer, Produktentwickler und Gründer von Liechtblick. Auch der heutige Werkstattleiter Sandro Galanti war von Anfang an dabei. Hergestellt wurden einfache, aber wirtschaftliche Produkte wie zum Beispiel Rondellen für Fonduecaquelons oder variable Backformen, die einen konkreten Nutzen haben und sich mit Gewinn verkaufen lassen. Mit diesem Konzept konnte Liechtblick Arbeitsplätze für junge Menschen in schwierigen Situationen schaffen und ihnen über die Arbeit eine neue Lebensperspektive vermitteln. Und dies ausschliesslich als private Initiative ohne staatliche Förderung, wie René Bregenzer nicht ohne Stolz anmerkt. Gewinne wurden konsequent reinvestiert, um neue Produkte und Herstellungsverfahren zu entwickeln. So ist die Werkstätte Liechtblick zu dem herangewachsen, was sie heute ist: ein innovatives, wirtschaftlich gesundes Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitenden, das im Bereich Fassadentechnik zu einem der besten in der Schweiz gehört.
An der ursprünglichen Idee hat sich seither wenig verändert: Der Verein verfolgt auch heute noch das Ziel, Arbeitsplätze für benachteiligte und bedürftige Menschen zu schaffen und sie dabei zu unterstützen, ihre Lebenssituation zu verändern. Hingegen haben sich die hergestellten Produkte stark weiterentwickelt: Heute produziert Liechtblick Kleinteile für den Fassadenbau und die Solarindustrie und verarbeitet Verbundwerkstoffplatten. Entsprechend wurde auch in neue Produktions- und Verarbeitungsanlagen investiert, ohne dabei den Grundgedanken der Arbeitsintegration aus den Augen zu verlieren und der Handarbeit weiterhin einen wichtigen Platz einzuräumen. Im Zentrum steht ein erstklassiger, umfassender Service von der Beratung und Entwicklung über die Verarbeitung bis zur Palettierung und Lieferung auf die Baustelle.

Auffällige Hülle für innovatives Unternehmen
Gewachsen ist in den 25 Jahren auch der Platzbedarf. Nach verschiedenen Zwischenstationen konnte der Verein Liechtblick die ehemalige Lehrlingswerkstatt des Schaffhauser Unternehmens Georg Fischer GF AG beziehen und später kaufen. Das Gebäude aus den 70er-Jahren musste im Bereich Brandschutz nachgerüstet werden, aber auch bei der Energieeffizienz war eine Verbesserung dringend nötig – im Winter konnten die Räume kaum warm gehalten werden. Der Verein hat sich für eine umfassende Gesamtsanierung entschieden und dafür über mehrere Jahre Rückstellungen getätigt. Letztes Jahr war es dann so weit: Die Werkstätte Liechtblick hat sich zum 25-Jahre-Jubiläum ein energieeffizientes, schillerndes Kleid verpasst.
 
Die neue Fassade fällt auf. Das unregelmässige Fugenbild und die Farbe, die sich je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall verändert, machen das Gebäude zu einem Hingucker. Entworfen hat sie das Schaffhauser Architekturbüro Busenhart & Partner AG | Manufaktur für Architektur, das seit Jahren mit dem Liechtblick verbunden ist und es verstand, der Werkstätte ein Denkmal zu setzen.

Grenzen des Möglichen ausloten
Produziert wurden die Fassadenelemente als Kassetten im Gebäudeinnern, in der Werkstätte Liechtblick. Die Fassade besteht aus rund 350 Kassetten, von denen kaum zwei die gleichen Masse aufweisen. Jedes einzelne Fassadenelement wurde gezeichnet und anschliessend aus Alucobond-Verbundplatten, bestehend aus zwei Aluminium-Deckschichten und einem Kunststoffkern, zugeschnitten, gekantet und bereitgestellt. Für die grösseren Kassetten mussten mehrere Platten zusammengesetzt werden, was die Zahl der verarbeiteten Elemente auf über 500 erhöht. Aber auch andere technische Innovationen wurden am eigenen Gebäude umgesetzt: Um eine unregelmässige Verschmutzung durch herablaufen des Regenwasser zu vermeiden, wurden entlang der Fugen Entwässerungskanäle vorgesehen, die das Wasser gezielt abführen. Auch wenn die Werkstätte Liechtblick seit Jahren auf die Herstellung von Fassadenkassetten spezialisiert ist, hat diese aufwendige Aufgabe neue Herausforderungen gestellt. Das Team um Sandro Galanti hat diese angenommen und gelöst und sich dabei einen zusätzlichen Schritt weiterentwickelt. Heute können noch komplexere Lösungen angeboten werden.
 
Auch hinter den schillernden Platten haben die Planer das Maximum herausgeholt. Um eine vorbildliche Energieeffizienz und einen ökologischen Betrieb zu erreichen, wurde die hinterlüftete Fassade mit hocheffizienten Produkten der neusten Generation ausgeführt. Einerseits wurde die Saint-Gobain ISOVER-Fassadendämmplatte PB F 030 mit einer revolutionär tiefen Wärmeleitfähigkeit von 0,030 [W/(mK)] eingesetzt, welche das Gebäude mit einer geringen Dicke von nur 160 mm vor Wärmeverlusten im Winter und vor Überhitzung im Sommer schützt. Andererseits wurden für die Montage der Unterkonstruktion wärmebrückenfreie Ecolite-Konsolen mit einem GFK-Steg verwendet, um Wärmeverluste über die Unterkonstruktion zu minimieren. Die Unterkonstruktion selbst wurde bei der Ecolite AG sowie bei der Werkstätte Liechtblick vorkonfektioniert. Gemeinsam mit den neuen Fenstern sorgt diese hinterlüftete Fassade für ein angenehmes Raumklima im Gebäudeinnern – bei viel tieferem Energieaufwand als bis anhin.

Nachhaltige Gebäudehülle für glänzende Zukunft
Die Werkstätte Liechtblick hat für die Sanierung die bestmögliche und nachhaltigste Lösung gewählt und umgesetzt. Sie hat auf eine effiziente Gebäudehülle mit geringen Betriebs- und Unterhaltskosten gesetzt und das Gebäude für die Zukunft gerüstet: Moderne Bekleidungsmaterialien und wärmebrücken freie Unterkonstruktionssysteme, gepaart mit Hochleistungsdämmstoffen von Saint-Gobain ISOVER SA. Damit hat Liechtblick in der Schweiz hergestellte oder verarbeitete Produkte berücksichtigt und stützt Arbeitsplätze in der Schweiz. Das Beispiel zeigt einmal mehr auf, wie wichtig bei solchen Projekten eine ganzheitliche Betrachtung ist. Der Verein hat die eigene Gebäudesanierung erfolgreich genutzt, um ein Referenzobjekt zu schaffen. Die vielen positiven Reaktionen von Architekten und Fassadenbauern anlässlich der Jubiläumsfeier zeigen, dass dies gelungen ist.