Case Study

Eine nachhaltige Attraktion für die Universitätsstadt

Die Abu Bakr Jamia Moschee in Cambridge, England, platzt aus allen Nähten. An stark frequentierten Tagen strömen über 700 Gläubige in das Gotteshaus. Zum Teil beten Gläubige auf den Trottoirs und der Strasse ausserhalb der Moschee. Eine neue Moschee mit Platz für bis zu 1000 Besucher soll das Problem lösen. Die Bauherren und Initianten vom «Muslim Academic Trust» haben sich aber mehr als nur Kapazitätsausweitung vorgenommen. So entsteht in Cambridge ein eindrückliches Gebäude, basierend auf einer Freiform-Holzkonstruktion. Die Nachhaltigkeit steht beim Neubau im Fokus und dahinter steckt Ostschweizer Holzbau sowie Waadtländer Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER.

Cambridge ist weltweit vor allem für eines bekannt: die äusserst renommierte University of Cambridge. Das malerische Städtchen lockt jedoch nicht nur mit seinem akademischen Ruf, sondern bietet auch Liebhabern architektonischer Sehenswürdigkeiten eine Vielzahl imposanter Bauwerke. So zum Beispiel das Kings College und die dazugehörende Kings College Chapel. Sie gilt als Wahrzeichen Cambridges und als herausragendes Exempel der Englisch-Gotischen Architektur, ein Stil der viele Bauten der berühmten Universität prägt. Nun erhält die Universitätsstadt ein neues architektonisches Juwel. Eines, das sich sowohl religiös wie auch baulich von den Kirchen im Gotischen Stil abhebt. An der belebten Mill Road entsteht die erste Öko-Moschee Europas. Der Bau soll 1000 Gläubigen Platz bieten und nahezu emissionsfrei werden. Ein Projekt also, das nicht nur bauliche Herausforderungen mit sich bringt.

Ein nachhaltiger Bau dank Schweizer Experten

Das Londoner Architekturbüro «marks barfield architects», welches unter anderem das berühmte «London Eye» entwarf, nahm sich diesen Herausforderungen an und konzipierte eine aussergewöhnliche Moschee. Aushängeschild des Bauwerks ist eine Freiform- Holzkonstruktion mit 30 baumartigen Säulen. Überhaupt setzen die Architekten stark auf den
nachhaltigen Baustoff Holz. So werden auch sämtliche Wand-, Decken und Dachelemente mit Holz umgesetzt. Um die Holz-Moschee zu verwirklichen zogen marks barfield architects Experten aus der Schweiz hinzu. Die Blumer-Lehmann AG, ausgewiesene Holzspezialisten aus Gossau, wurden mit der Produktion und Montage der Holzkonstruktion beauftragt.

3000 Freiform-Bauteile, 2000m2 Aussenwände, 1200m2 Innenwände, 2000m2 Dachfläche, 63 Oblichter, drei Treppen und ein neun Meter hoher Dom – der Umfang des Projekts lässt sich sehen. Das «Cambridge Mosque Project» ist so auch eines der grösseren Auslandsprojekte, dass Blumer Lehmann bis heute umgesetzt hat. Eine Aufgabe, welche die
Gossauer Holzbauer durchaus vor Herausforderungen stellte. Eine zentrale Knacknuss war dabei die Logistik innerhalb wie ausserhalb des Betriebs. «Zeitweise wurde bei uns in acht verschiedenen Gebäuden produziert. Die 3000 Freiform-Teile und die 800 vorgefertigten Elemente beanspruchten unser ganzes Areal und die ganze Produktpalette». erklärt Jephtha Schaffner, Projektleiter bei Blumer Lehmann. Nach England gelangten die Elemente via Land- und Seeweg in rund 80 Lastwagenladungen. Neben der grenzüberschreitenden Logistik hatte auch die Zusammenarbeit über den Ärmelkanal ihre Tücken. «In England ist die Methode der Vorfertigung eher wenig bekannt. Deshalb mussten wir den Architekten und Planern aufzeigen, wieso wir viele Entscheidungen früher als gewohnt treffen müssen». Während es bei Projekten in der Schweiz üblich ist, dass Positionen für Steckdosen oder ähnliches früh festgelegt werden, damit diese im Element eingebaut werden können, führe dies in England eher zu Stirnrunzeln, so Schaffner.

Grosse Akzeptanz für Europas erste Öko-Moschee

Gebaut wird die Moschee auf einer rund 0.4 Hektar grossen Industriebrache an der pulsierend Mill Road. Das Projekt stand nicht immer unter einem guten Stern. So schlugen den Initianten zu Beginn Ressentiment und Bedenken entgegen. Das Bauwerk passe nicht ins Stadtbild und bringe viel Stau und Verkehr, reklamierten Kritiker des Vorhabens. Durch
aktiven Einbezug der lokalen Bevölkerung gelang es dem der Bauherrschaft jedoch, die lokale Bevölkerung für die Moschee zu begeistern. Öffentlich Bereiche wie der Garten, ein Kaffee und ein Massage-Therapie Raum nur für Frauen sollen auch nicht-Muslime in die neue Attraktion Cambridges ziehen.

Zur allgemeinen Begeisterung für das Projekt trägt auch die nachhaltige Vision der Architekten bei. Die Holzkonstruktion ist schliesslich nur ein Teil des nachhaltigen Ansatzes der bei der neuen Moschee verfolgt wird. Um Europas erste Öko-Moschee zu verwirklichen setzen die Bauherren auch auf viel natürliches Licht, lokal produzierte und nachhaltige Energie, grüne Bedachung sowie exzellente Dämmung. Während 63 Oblichter die unterschiedlichen Räume der Moschee mit Licht versorgen, garantieren Wärmepumpen in Kombination mit einem effizienten Heiz- und Kühlsystem für angenehme Temperaturen. Eine Dachbegrünung und ein Gebäude-Energiemanagement System gehören ebenfalls zum ökologischen Gotteshaus an der Mill Road. Um den nachhaltigen Anforderungen gerecht zu werden und Energieverluste zu verhindern ist eine leichte und effiziente Dämmung unabdingbar. Deshalb wird die nahezu emissionsfreie Anlage durch eine effiziente
Dämmung mit ISOVER Glaswolle komplettiert. 1500 Quadratmeter Aussenwände wurden mit 320mm PB M 035 (Wärmeleitfähigkeit λ 0.035) in zwei Lagen gedämmt. Auch die Innenwände der Gebetshalle, des Atriums, des Kaffees und des Merzweckraums erhielten aus akustischen Gründen eine Dämmung mit ISOVER Glaswolle. In unterschiedlichen
Dicken von 50mm und 100mm wurden so gesamthaft 1000 Quadratmeter Innenwände mit Isofix 035 und Uniroll 035 gedämmt.

Glaswolle, eine verlässlicher Baustoff im Holzbau

3000 Freiformbauteile und 800 vorgefertigte Elemente produzierten Blumer Lehmann für die Aussen-, Innenwände und Decken der Moschee. Damit bei der Vorfertigung alles klappt, müssen die Materialien einfach zu verarbeiten sein und die Lieferkette verlässlich funktionieren. Neben der exzellenten Dämmleistung sind auch dies Gründe, wieso der
Gossauer Holzbauspezialist auf eine Dämmung mit ISOVER Glaswolle gesetzt hat. «Die Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER hat sich in der Holzrahmenbauweise bewährt und ist durch ihr gutes Handling zum Standardprodukt bei uns geworden» erklärt Projektleiter Schaffner. Auch bei der Lieferkette war auf das Unternehmen aus dem Waadtländer Lucens verlass und so konnte ein reibungsloses Arbeiten von Blumer Lehmann sichergestellt werden. Ende Januar 2018 schloss das Team die Montagearbeiten vor Ort erfolgreich ab und Anfang 2019 sollen die ersten Besucher Cambridges neustes architektonisches Juwel bewundern können.