Case Study

Clos de Sens - Das Multiconfort-Haus

Die wichtigsten Massnahmen, um ein Multiconfort-Haus realisieren zu können, sind eine überdurchschnittliche Isolation, eine dichte Gebäudehülle und eine kontrollierte Lüftung; damit lassen sich die grössten Energieverlustquellen konventioneller Gebäude ausschalten.

Dicke Dämmung und dichte Gebäudehülle

Sobald die Aussentemperaturen tiefer sind als die Temperatur im Innenraum, entzieht die Aussenluft der Gebäudehülle Wärme. Dieser Wärmeverlust wird durch nachströmende Wärme aus dem Gebäudeinnern ausgeglichen. Die Dämmung der Gebäudehülle reduziert dieses Nachströmen massiv. Die Energieeffizienz eines Gebäudes lässt sich mit einer guten Dämmung verbessern. Beim Multiconfort-Haus im Clos des Sens sind sowohl Wände als auch Dach mit 32 cm dicker Glaswolle ISOVER ISOCONFORT gedämmt (U=0.035 W/m2K). Die gerollten Selbstklemmplatten wurden zwischen den Sparren montiert. Während die Wandisolation in der Fertigungshalle in die Elemente eingebaut wurde, wurde die Dachisolation auf der Baustelle zwischen den Dachbalken montiert. Um Wärmebrücken vorzubeugen, kommt darüber eine hochleistungsfähige 8 cm dicke ISOVER ISOTWIN (U=0.032W/m2K) zum Einsatz. Die 55 cm messenden Aussenmauern erreichen damit eine U-Wert von 0.11 W/m2K, das Dach sogar 0.09 W/m2K.

Auch undichte Fenster und Ritzen, z.B. zwischen Dach und Wand, sind für viel Wärmeverlust verantwortlich. Hier hilft eine sorgfältige Abdichtung. Weil die Elemente vor Temperaturschwankungen und schlechtem Wetter geschützt in der Halle gefertigt wurden, konnte die entsprechende Bauqualität sichergestellt werden. Ein weiterer Vorteil war der kurze Transportweg von der Halle zur Baustelle: Es konnten sehr grosse Elemente gefertigt werden. So mussten vor Ort nur acht Teile zusammengefügt und abgedichtet werden, was das Risiko für undichte Stellen nochmals senkt.

Eine überdurchschnittliche Dämmung und eine absolut dichte Gebäudehülle verhindern Wärmeverluste weitgehend – die Wärme bleibt so im Gebäude drin. Bei MINERIE-P oder Multiconfort-Gebäuden sind die Wärmeverluste so gering, dass eine aktive Heizung praktisch nicht mehr nötig ist – deshalb der Name Passivhaus. Der geringe Wärmebedarf kann durch die Sonneneinstrahlung sowie die Abwärme von Personen und technischen Geräten gedeckt werden. Die gut gedämmte, dichte Gebäudehülle hat aber weitere Vorteile: Die Wände und Fenster im Rauminnern sind warm und strahlen keine unangenehme Kälte ab. Es gibt keine Zugluft von undichten Stellen, der Wohnkomfort ist entsprechend hoch. Die Isolation verhindert umgekehrt aber auch, dass Sommerhitze und Lärm von Aussen ins Gebäude dringen.

Kontrollierte Lüftung

Zur Regulierung des Raumklimas in diesen dichten Gebäuden werden kontrollierte Lüftungen eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass immer genügend Frischluft ins Rauminnere gelangt und verbrauchte Luft und Feuchtigkeit abgeführt wird – ohne dabei wertvolle Wärme zu verlieren. Die Wärme der Abluft wird dazu genutzt, die frische aber kalte Luft von Aussen aufzuwärmen. Das Raumklima ist somit konstant, und es entsteht kein kalter Luftzug, was zusätzlich zum Wohnkomfort beiträgt.

Energieoptimierung bei der Konzeption

Es gibt weiteres Potential, wie der Energieverbrauch weiter reduziert werden kann. Zum Beispiel können Öffnungen in der Gebäudehülle wie grossflächige Fenster und Türen gegen Süden platziert werden, wo der Energieverlust am geringsten ist. Weiter kann das Verhältnis zwischen Volumen und Aussenhülle optimiert werden: lange schmale Gebäude oder verwinkelte Anbauten haben verhältnismässig viel Aussenwandfläche, welche für Energieverluste verantwortlich sein kann. Oder die Gebäude werden so ausgerichtet, dass die Sonneneinstrahlung und das Licht zur natürlichen Heizung und Beleuchtung verwendet werden können.

Beim Multiconforthaus im Clos des Sens wurden alle diese Prinzipien angewendet. Die Hauptfensterflächen sind nach Süden ausgerichtet, die restlichen Fenster und Türen sind bewusst klein gehalten. Die Aussenhülle ist kompakt, und die Innengrundfläche von 11x8.6m ist beinahe quadratisch. Am charakteristischsten ist jedoch die Dachform: das Dach in V-Form reduziert das Volumen, ohne auf hohe, lichtdurchflutete Räume zu verzichten. Die Dachneigung wurde so berechnet, dass die Sonne im Sommer aufs Dach scheint und die Innenräume kühl bleiben, während im Winter die Sonnenstrahlen im gleichen Winkel wie das Dach einfallen und durch die Fenster das Hausinnere beleuchten und heizen. Neben dem grossen Vordach erlauben zwei automatische Storensysteme eine effiziente Steuerung der Sonneneinstrahlung. Ein weiterer Vorteil der ungewohnten Dachform: auf dem hinteren Teil des Daches können die Sonnenkollektoren in optimaler Neigung montiert werden, ohne dass sie für die Nachbarn sichtbar sind.

Erneuerbare Energien

Ganz ohne Energie kommen auch Multiconfort-Gebäude nicht aus. Elektrische Geräte benötigen Strom, die Warmwasseraufbereitung braucht Energie. Das Multiconfort-Konzept empfiehlt, nach Möglichkeit erneuerbare Energiequellen zu erschliessen, denn so lässt sich der CO2-Ausstoss weiter verringern.

Beim Multiconfort-Haus im Clos des Sens ist die eine Dachhälfte mit optimaler Neigung konzipiert, um Sonnenkollektoren zu installieren. Es wurden Kollektoren für die Warmwasseraufbereitung und zur Stromproduktion installiert. Sie können 60% des jährlichen Warmwasserverbrauchs und 30% des Stromverbrauchs eines 4-Personen Haushalts decken.