Case Study

Baumhaus "Les Nids" : Übernachten in Luftigen Höhen

Mitten im Neuenburger Jura gibt es ein Hotel der besonderen Art: Die Gäste übernachten bei der Familie Vuilleumier in einem Baumhaus mehrere Meter über Boden. Die Nachfrage ist so gross, dass nun im benachbarten Waldstück drei weitere Baumhäuser entstehen, vorzüglich isoliert mit Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER. ISOVER hat einen Blick in und um die neuen Baumhäuser geworfen.

Wer sich unter «Baumhaus» ein paar rohe Bretter auf einem Baum und Pfadfinderromantik vorstellt, ist gleichzeitig auf dem Holzweg und auf der richtigen Spur. In der luftigen Höhe von acht Metern hängt in einer Esche auf dem Grundstück der Familie Vuilleumier ein achteckiges Bauwerk von beachtlichen Ausmassen. Das «Chouett’Nid» bietet vier Personen Platz zum Schlafen, Wohnen und Geniessen. Für das Abenteuer-Ambiente garantiert die weite Sicht über den angrenzenden Campingplatz und der leicht beunruhigende Gedanke «Wie hält das bloss?» – es hält, nun schon seit sieben Jahren, und zieht die Gäste an wie Fliegen. Die gute Nachricht für die vielen Interessenten, die mit ihrer Reservierung zu spät dran waren: Seit August 2008 sind drei weitere Baumhäuser bezugsbereit. Die «Meise» und der «Kleiber» bieten zwei Gästen, der «Specht» einer ganzen Familie von drei bis fünf Personen Platz.

Stolperwurzeln auf dem Weg zum Baumhaus


Die Idee zu einem Baumhotel hatte Jean-Paul Vuilleumier schon ein paar Jahre mit sich herum getragen. 2002 kamen die ersten Gäste in den Genuss einer Übernachtung im «Chouett’Nid». Der Erfolg gab dem Baum-Hôtelier recht: Schon ein Jahr später mussten die Gäste ihren Wochenend-Aufenthalt im Chouett’Nid ein ganzes Jahr im Voraus reservieren.

Was lag näher, als das Konzept mit drei weiteren Baumhäusern auf dem eigenen Waldstück auszubauen? Den Grundstein dafür sollte die Eingabe für die Baubewilligung beim Kanton Neuenburg legen. Doch gleich zweimal erhielt Jean-Paul Vuilleumier negativen Bescheid. Das Problem an seinem Vorhaben: Nach dem Waldgesetz des Bundes gilt Wald als öffentlicher Grund, auf dem nicht gebaut werden darf. Bei Umweltorganisationen wie WWF und Pro Natura dagegen stiess die Idee von Anfang an auf Anerkennung. Schliesslich kam Hilfe von Tourismus Neuchâtel, wo man das Potenzial des Projekts für die Region Le Locle erkannte. Nach einer Aussprache mit allen beteiligten Parteien wurde endlich eine Lösung gefunden: Das Waldstück wurde temporär, für zwanzig Jahre, umgezont und gilt während dieser Zeitspanne als privater Grund. Somit war der Weg frei für den Bau der schmucken Häuser in den Bäumen.

Doch auch wenn die 90'000 Franken, die Jean Paul Vuilleumier für den Bau jedes der Häuser budgetiert hat, erst amortisiert sein wollen, so hält er an den familien- und umweltfreundlichen Prinzipien zum Betrieb seines Baumhotels fest. Für Familien ist der Aufenthalt in seinen «Nestern» erschwinglich: Kinder übernachten umsonst; die grösseren Baumhäuser werden nur an Familien vermietet; es gibt keine Haupt- und Nebensaisontarife, nur Wochenenden- und Werktagspreise. Letztere sind gerade angesichts der grossen Nachfrage ausgesprochen moderat. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, erhält ausserdem zwanzig Franken Reduktion auf die Übernachtung.

Wie ein Vogelnest in der Astgabel – dank ausgefeilter Aufhänge-KonstruktionDas ganze Jahr bewohnbar – dank hochwertiger Dämmung
Alle drei neuen Baumhäuser sind auf einer Höhe von vier bis acht Metern über Boden um oder zwischen Bäume gebaut und mit Holzstegen verbunden. Hauptbaumaterial ist einheimisches Holz, für die Verbindungsstege zwischen den Häusern wurde sogar Fallholz aus der unmittelbaren Umgebung verwendet. Aussen sind die «Nester», wie sie ihr Erbauer liebevoll getauft hat, fröhlich bemalt in den Farben ihrer gefiederten Namensgeber Kleiber, Specht und Meise, alles einheimische bedrohte Vogelarten.

Die Baumhotels von Le Locle sind das ganze Jahr über geöffnet. Das ist möglich durch die Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER, mit der Wände und Boden der Häuser gedämmt sind, bei der «Meise» und dem «Kleiber» in einer Dicke von 16 cm, beim «Specht» sogar von 28 bzw. 20 cm, was in etwa dem Minergie-Standard entsprechen würde, wenn Baumhäuser zertifizierbar wären.. Daher haben Ddie «Nester» zeichnen sich aber durch Multikomfort-Qualität aus. Alle drei Häuser sind mit einer kleinen, aber gemütlichen Küche und mit Bad ausgestattet. Schöne geölte Holzböden und ein Schwedenofen sorgen zusätzlich für Behaglichkeit und Komfort.

Jean-Paul Vuilleumier plant auf dem Dach des «Chouett’Nid» Solarzellen zu installieren. Aufgrund der geschützten Lage zwischen den Bäumen eignen sich die drei Neubauten hingegen nicht für die Gewinnung von Solarstrom. Dort soll mittelfristig eine Dachbepflanzung für ein gutes Klima sorgen.
Die Baumhäuser von Le Locle hängen an stabilen Stahlseilen an ihren Bäumen. Die Grösse und Stärke des Baums, an dem das einzelne Haus hängt, haben dessen Grösse und seinen Abstand zum Boden bestimmt.

Durch eine zusätzliche Fixierung am Boden sind die Häuser windstabil bis zu einer Windgeschwindigkeit zwischen siebzig und hundert Kilometern pro Stunde. Einzig das «Chouett’Nid» bietet mit seiner Grösse und exponierteren Lage an einem einzeln stehenden Baum mehr Angriffsfläche. Es kann daher vorkommen, dass bei schlechter Wettervorhersage mit Windgeschwindigkeiten über 65 Kilometer pro Stunde eine Reservation annulliert werden muss. «Aber das geschieht vielleicht ein-, zweimal pro Jahr», beruhigt Jean-Paul Vuilleumier.

Auch gegen andere Naturgewalten hat der Bauherr vorgesorgt: Bäume, die bei Sturm auf eines der Häuser hätten fallen können, sind gefällt worden. Rund um den Baumstamm sind die Dächer mit Silikon und Schaum abgedichtet. Falls es allerdings über mehrere Tage regnet und die Dichtung dem Wasser nicht mehr standhalten kann, müssen sich die Gäste dennoch nicht vor nassen Füssen fürchten. Denn eindringendes Regenwasser fällt einfach dem Stamm entlang nach unten.

Die Bäume können übrigens trotz ihres «Anbaus» ungehindert weiterwachsen und in ein paar Jahren werden die Häuser wohl einige Zentimeter höher hängen.

Zu Gast in Le Locle

Auch wenn eine Übernachtung in einem der Baumhäuser unbestritten das Highlight eines Aufenthalts bei der Familie Vuilleumier bilden, so sind auch die sanften Hügel des Neuenburger Jura und der nahe gelegene Doubs weitere, starke Argumente für einen Besuch oberhalb von Le Locle. Die Gegend ist ein Paradies für Wanderer und Radfahrer. Gerade auch Familien mit Kindern schätzen das grosszügige Freizeitzentrum direkt hinter dem Campingplatz der Familie Vuilleumier mit beheiztem Freibad mit Rutschbahnanlage, einer Squashhalle, Fussball und Volleyball-Plätzen und weiteren Angeboten.