Case Study

In aller Stille Flugzeuge testen - Baustellenreportage: Flughafen Genf-Cointrin

Im Süden des Flughafens Genf ist es nun möglich, Tests an Flugzeugtriebwerken durchzuführen und dabei die Lärmbelästigung für die Anwohner in Grenzen zu halten. Dank der Zusammenarbeit der Unternehmen Saint-Gobain ISOVER AG, Sottas AG und dem Firmen-Pool Jundt/ Ecoscan/ WTM-GAC/ Acou-Consult/ RSA absorbiert eine neue, ausgeklügelte Konstruktion den starken Triebwerklärm. Erfahren Sie, wie die Dämmung von Saint-Gobain ISOVER AG dazu beiträgt, die Lärmemissionen in Grenzen und gleichzeitig die Konstruktion leicht zu halten.

Am Flughafen Genf wurde 2016 ein weiterer Schritt im Kampf gegen die Lärmbelästigung getan. Anfang des Sommers wurde der Bau einer neuen Lärmschutzhalle auf dem Vorfeld Süd abgeschlossen und die ersten Flugzeuge, die dort ihre Triebwerke testen, werden nicht lange auf sich warten lassen. Die neue Halle ergänzt die bereits seit mehr als 20 Jahren im Nordflügel des Flughafens für Triebwerktests betriebene kleinere Struktur, die jedoch nur Maschinen bis zu einer Spannweite von 20 Metern aufnehmen kann; die grösseren Flugzeuge wurden bisher direkt auf dem Vorfeld getestet. Mit dem neuen Hangar sind nun Triebwerktests bei voller Leistung an Flugzeugen mit einer Spannweite von bis zu 36 Metern möglich. Nur wenige Typen Grossraumflugzeuge müssen an den Flughafen Zürich oder ins Ausland ausweichen, wobei diese den Flughafen Genf kaum anfliegen.
 
Für das jährlich zugelassene Lärm-Belastungsvolumen gelten die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung (LSV), die überdies einen erhöhten Schutz der Anwohner mit zusätzlichen Einschränkungen während der Nachtstunden vorsieht. Mit dieser neuen Halle können 470 Triebwerktests pro Jahr bewilligt werden, während die Lärmbelastung ausserhalb des Flughafens trotzdem spürbar verringert wird. Doch wie konnte eine derartige Meisterleistung gelingen?

Leichte und wirksame Dämmung
 
Die Herausforderung bei diesem Projekt bestand darin, die richtige Dämmung und eine adäquate Struktur zu finden, die den Triebwerklärm absorbieren kann, ohne die Gebäudehülle mit Gewicht zu belasten. Damit die Flugzeuge in die Halle fahren können, darf diese keinerlei Pfeiler oder Stützelemente aufweisen. Deshalb ist es wichtig, dass die verwendeten Baumaterialien so leicht wie möglich sind, um die tragende Struktur nicht zu belasten.
 
Ende 2014 , noch vor Beginn der Bauarbeiten, legten die beteiligten Partner der EMPA (Eidgenössische Materialprüfungsanstalt) die geplanten Bauelemente vor, um die Schallabsorption und Luftschalldämmung zu prüfen. Zum ersten Mal hat Saint-Gobain ISOVER AG ihre Produkte gemeinsam mit denjenigen des Verarbeiters testen lassen. So wurde ein Konstruktionselement, d.h. die von Sottas AG hergestellten und mit schalldämmender Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER AG ausgestatteten Kassetten getestet. Diese ausgeklügelte Kombination, die über eine verhältnismässig dünne, leichte Dämmschicht verfügt, erfüllte das vom Projekt vorgegebene Lärmschutzziel, was viele überrascht hat – da fälschlicherweise angenommen wird, dass die Masse des Dämmstoffs einen Einfluss auf die Schalldämmung hat. Die Test haben aufgezeigt, dass die guten Strömungswiderstände der ISOVER-Glaswolle massgebend sind für den Schallschutz des Bauteiles. Aufgrund der erfolgreichen Ergebnisse der Tests konnte Anfang 2015 mit dem Bau begonnen werden.

Luftdurchlässig und schallschluckend
 
Dachkonstruktion und Fassade sind mit einer Kassettenkombination aus perforiertem Aluminiumblech von Sottas AG und ein- bis zweischichtig verlegter Glaswolle von Saint-Gobain ISOVER AG gedämmt (siehe Kasten mit den detaillierten Angaben). Für die Leitwerke der Flugzeuge wurde eine Ausbuchtung in der Dachkonstruktion ausgebildet. Der hintere Teil der Halle wird nicht durch eine Wand, sondern durch eine offene Reihe abgerundeter Lamellen abgeschlossen, wobei die eine Hälfte von der Gebäudeachse ausgehend nach rechts, die andere nach links gebogen ist. Die Triebwerktesthallen in Zürich oder Hamburg sind ähnlich konzipiert und haben sich bereits bewährt. In Genf ermöglichen die Lamellen eine Aussenluftzufuhr, die für den Betrieb der Triebwerke unverzichtbar ist und verhindern gleichzeitig, dass der Lärm nach aussen gelangt. Am Flughafen Cointrin ermöglichen die von Saint-Gobain ISOVER AG und Sottas AG entwickelten Dämmelemente diese hocheffiziente Lärmabsorption. Das thermolackierte Aluminiumblech nimmt die Biegung der Struktur an, an die es mit einer verhältnismässig hohen Anzahl Schrauben befestigt ist, wodurch sich die Herstellung von gebogenen Lamellen erübrigte. Durch Überlagern der beiden mit schwarzem Vlies überzogenen Dämmschichten, wird die Länge der Biegung kompensiert; die beiden Schichten passen sich perfekt der Struktur an und sichern so eine beidseitige Dämmung der Lamellen. Die schwarze Beschichtung stellt zudem einen effizienten Schutz gegen Regen und Staub dar.
 
Abgeschlossen wird die Lärmabsorbtionskonstruktion mit einem riesigen, rund 220 Tonnen schweren Tor. Flach auf dem Boden liegend, dient es als Ein- und Ausfahrtrampe für die Flugzeuge. Zum Schliessen der Halle wird das Tor mit beeindruckenden hydraulischen Winden in einem 45 -Grad-Winkel positioniert. Mit seinem Spezialblechbeschlag und vier Lackschichten ist dieses vor Wind und Wetter, Abnutzung sowie vor dem bei Schnee und Eis verwendete Streusalz geschützt.
 
Die Halle wurde nicht zuletzt durch die geniale Kombination der Metallkonstruktionen von Sottas AG und der Dämmprodukte von Saint-Gobain ISOVER AG zu einer regelrechten Meisterleistung des Lärmschutzes. Die Solarpaneele an der Aussenfassade und auf der Dachkonstruktion machen die Lärmschutzhalle vollständig versorgungsautark, da die von den Paneelen produzierte Energie ausreicht, um den Strombedarf der Triebwerktests mehr als zur Genüge abzudecken. Es wurde wirklich an alles gedacht: Selbst die leichte Architektur mit ihren klaren Linien fügt sich mit Eleganz in das Vorfeld des Genfer Flughafens ein.

Ein riesiges Lärmschutzschild
 
Dach
Kassetten: 190 mm Dicke, perforiertes Aluminiumblech
Dämmung: zweischichtig, PB F EXTRA 032 mit schwarzem Vlies in 140 mm Dicke und 50 mm PB M 032
 
Seitliche Fassaden
Kassetten: 100 mm Dicke, perforiertes Aluminiumblech
Dämmung: PB F EXTRA 032 mit schwarzem Vlies in 100 mm Dicke
 
Hinterer Teil der Halle
Lamellen: 200 mm Dicke, perforiertes Aluminiumblech auf beiden Seiten
Dämmung: zweischichtig, PB F EXTRA 032 mit schwarzem Vlies in 100 mm Dicke
 
Boden

Dämmung: zweischichtig, PB F EXTRA 032 in 40 mm Dicke und ISOTHERM 035, 140 mm